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Das Modell der muschelförmigen Dose war fester Bestandteil der großen und umfangreichen Toilettenservice — wie etwa beim seegrünen Service mit Habsburger Wappen der Kaiserin-Witwe Wilhelmine Amalia oder bei dem für den Krakauer Fürstbischof Lipski bestimmten Service (Keramos 158, 1997, S. 25–36, hier S. 33).

Gemäß dem königlichen Auftrag umfasste das Geschenk an Fürstbischof Lipski auch ein Toilettenservice, das jedoch — was bei einem Kirchenfürsten nachvollziehbar ist — nie ausgeliefert wurde und sich daher bis heute in Dresden befindet. Die zugehörigen Stücke tragen die Johanneumsnummer „N–339–w“ (ebd. S. 35). (link: https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/118646 text: Die formgleiche Muscheldose aus diesem Service (Inv. PE 616) entspricht — abgesehen von der fehlenden Johanneumsnummer und Caduceus-Marke — exakt unserem Exemplar und belegt damit die besondere Wertschätzung dieses Modells. Weitere Exemplare sind bislang nicht bekannt.

Lipski hatte bei der Wahl Augusts III. zum König von Polen eine entscheidende Rolle gespielt und wurde von diesem mehrfach mit bedeutenden Porzellangeschenken bedacht.

Ein vergleichbarer Dekor befindet sich auf der fünfpassigen Dose mit Untersatz im Rijksmuseum, Amsterdam (Den Blaauwen, Nr. 188, Slg. Oppenheimer = Sotheby’s New York 14.9.2021 Nr 34, rd. USD 277.000) sowie auf zwei Tellern aus der Sammlung von Klemperer (Nr. 124, 125).

2018 waren wir im Besitz einer vierpassigen Konfektschale mit dem selben Dekor (siehe nachfolgende Abb.), die Spuren einer ausradierten Schwertermarke enthielt.

Dekor

Die Szene auf unserer Toilettendose zeigt eine japanische Tänzerin in höfischer Kleidung, flankiert von einem stehenden Paar junger, bewundernder Hofdamen bzw. -herren im Stil japanischer Höflinge.

Wie bereits dargelegt, zählen Porzellane mit diesem Dekor zu den großen Seltenheiten. Sie wurden im Auftrag des Pariser Händlers Rudolph Lemaire in Meissen gefertigt — darauf deuten die fehlende Markierung unserer Dose sowie die Besonderheiten der Marken auf den genannten Vergleichsstücken hin:

  • Die Dose aus der Slg. Oppenheimer trägt eine Schwertermarke in Emailblau;
  • unsere ehemalige Konfektschale enthält Spuren einer ausradierten Schwertermarke;
  • und die Toilette-Dose in der Porzellansammlung im Zwinger trägt neben der Johanneumsnummer auch noch die Caduceus-Marke.

All diese Varianten sprechen dafür, dass diese Porzellane im Auftrag Lemaires hergestellt wurden, um sie auf dem Pariser Luxuswarenmarkt als japanische Originale weiterzuverkaufen. Dass der Dekor deutlich an den Stil japanischer Lackarbeiten erinnert (Weber Bd. II 2013 S. 321), bestätigt diesen Hintergrund zusätzlich.

Adam Friedrich von Löwenfinck

Der seltene Meissener Dekor mit den japanischen Tänzerinnen und ihren jugendlichen Bewunderern scheint eine Spezialität Löwenfincks gewesen zu sein. Charakteristisch ist die für ihn typische Palette in Rot, Schwarz und Gold, ergänzt durch die fein aufgezeichneten Binnenlinien in Gold. Die angedeuteten graugestrichelten Wolken- oder Bodenformationen entsprechen ebenfalls seiner Handschrift – wie sie bei ihm häufig zur Ausgestaltung von Rasenstücken oder Szenerien verwendet wurde.

Auffällig ist zudem die große seitliche Blütenstaude – ein wiederkehrendes Motiv im Werk Löwenfincks, das sich durch die überproportional hohe, aus einem einzelnen Stamm hervorgehende Blütenkomposition auszeichnet.

Literatur

Boltz, Claus: Königliche Porzellangeschenke an den Krakauer Fürstbischof Lipski in den Jahren 1734 und 1735, In Keramos 158 / 1997

Pietsch, Ulrich: Phantastische Welten. Malerei auf Meissener Porzellan und deutschen Fayencen von Adam Friedrich von Löwenfinck (1714–1754)., Stuttgart 2014

Schnorr von Carolsfeld, Ludwig: Porzellansammlung Gustav von Klemperer., Privatdruck Dresden 1928

Schnorr von Carolsfeld, Ludwig: Sammlung Margarete und Franz Oppenheimer, Privatdruck Berlin 1927

Weber, Julia: Meißener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. Stiftung Ernst Schneider in Schloss Lustheim. 2 Bände, München 2013

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