Freimaurerpaar
Meissen Modelle von Johann J. Kaendler, 1743/44, zeitnahe Ausformung und Staffierung
Er: 30,4 cm hoch, 2 x Pressnummer „45“, Schwertermarke auf unglasiertem Boden; Sie: 28,3 cm hoch; Reste einer Schwertermarke auf unglasiertem Boden
Provenienz: Die Figuren stammen aus der Sammlung Maurice de Rothschild, Château de Pregny bei Genf, die am 28.3.1977 bei Christie’s versteigert wurde (Nrn. 136, 137)
Beide Figuren sind in Kaendlers Arbeitsberichten und in seiner TAXA beschrieben:
Arbeitsbericht, September 1743 (Acevedo 2023 II S. 149; Pietsch 2002 S. 99): „9. An einem Frey Maurer poußiret Welcher einen Mopß Hund Neben sich stehen hat, Nebst Schurz fell und gewöhnlichen Intsrumenten.“
TAXA (Rafael in Keramos 203/204 2009. S. 54): „1. Frey Maurer mit Schurzfell und anderer Zubehör auf einem postament wohl angekleidet stehend, in der einen Hand einen Grund Riß habend, neben welchen ein postament, dorauff Winckel-Haacken, etc … liegen, 6. Thlr.“
Arbeitsbericht, Juni 1744 (Acevedo II S. 174; Pietsch 2002 S. 103): „5. Ein Frauen Zimmer Wie solches auf einem Postament Wohl angekleidet stehet gehöriger maßen zerschnitten sammbt denen 2. Bey sich habenden Mopßhündgen, und solches Modell gehöriger Weise zum abformen zu bereitet.
TAXA (Rafael in Keramos 203/204 2009. S. 61):„1. Dame von Mopß Orden, auf einen postament stehend in der lincken Hand einen Mopß Hund haltend, auch einen zum Füßen liegend, vor die Printzeßin von Herfordt, 10. Thlr.“
Obwohl die Figuren ursprünglich nicht als Paar konzipiert waren — was sich auch an den unterschiedlichen Formnummern zeigt —, erhob die Manufaktur sie später in den Rang eines solchen. Besonders deutlich wird dies an der Gestaltung der Sockel: Während einige Exemplare mit feiner, detailreicher Vedutenmalerei versehen sind — wie in unserem Fall —, imitieren andere Marmor oder zeigen ausschließlich Blumenbordüren als Dekor (so z. B. der Freimaurer in der Sammlung Pauls-Eisenbeiss, 1972, S. 204 f.).
In einzelnen Fällen ist die Paarbildung anhand der exakt aufeinander abgestimmten Dekoration offensichtlich. Bei unseren Figuren handelt es sich um ein solches „geborenes Paar“, was die identische Sockelgestaltung mit einheitlich ausgeführtem Golddekor und fein gemalten Landschaften innerhalb der Kartuschen, die dominierende violette Farbigkeit sowie die übereinstimmenden indianischen Blumenmotive, welche den Dekor beider Figuren prägen, zeigen.
Durch die einheitliche Dekoration, wie sie an unseren Figuren auftritt, wird die Intention der Manufaktur deutlich, die ursprünglich getrennt konzipierten Modelle nachträglich als Paar zu etablieren.
Vergleichsstücke
Die Figuren sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. Meist handelt es sich dabei aber nicht um geborene Paare, wie die unterschiedlich gestalteten Sockel zeigen:
- The Wadsworth Atheneum, Hartford, Inv.-Nr. 1917.1328 (sie mit Landschaftskartuschen), Inv.-Nr. 1917.1353 (er mit Marmordekor), ex Slg. J. P Morgan
- Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 64.101.49 (sie mit Golddekor), Inv.-Nr. 64.101.50 (er mit Landschaftskartuschen), ex Slg. Untermyer, Kat.-Nrn. 28, 29 T. 22, 23
- Slg. Pauls-Eisenbeiss (London 1972 S. 204 f. er mit Golddekor, S. 206 f. sie mit Marmordekor)
- Prince Amyn Collection (2017 Nr. 35), sie mit Marmordekor, er mit Landschaftskartuschen = Ausstellung Musée Ariana, Genf (Hidden Valuables, Röbbig 2020 Nr. 120, 121)
- Sotheby’s 7.7.1964 Nr. 123 (sie mit Goldornamentik), Nr. 124 (er mit Marmordekor)
Bei den nachfolgend aufgeführten Vergleichsstücken handelt es sich um seltene Fälle aufeinander abgestimmter Paare:
- T&T Collection, Belgien (Dumortier / Habets 2019 Nr. 38) = Ausstellung im Königsschloss Wawel, Krakau (Bodinek 2024 Nr. 19)