Einzigartiges Kaffee- und Teeservice im Original Koffer
Meissen Porzellan um 1729/30, Bemalung Anfang 1730er Jahre im Kakiemonstil mit „indianischen“ Blumen, Insekten und Vögeln auf meergrünem Fond.
Bestehend aus: 6 Koppchen mit Unterschalen, 1 birnförmige Kaffeekanne, 1 kugelige Teekanne mit vierpassiger Unterschale, 1 Bowl, 1 Zuckerdose mit Deckel, 1 Teedose mit Deckel, 6 vergoldete Silberlöffel
Alle Teile mit unterglasurblauen Schwertermarken, bis auf: die Teedose: ohne Marke und 4 der 6 Koppchen mit Caduceus-Marke
Maße Koffer: 49,5 x 30 x 19 cm
Provenienz: Röbbig "Ausgewählte Werke". Ohne Jahr (2011) Nr. 51 S. 98 f.; Sotheby’s 21.11.2006 Nr. 9
Zum seegrünen Fond:
Die seegrüne Fondfarbe ist von Höroldt am 27.7.1726 erstmals erfolgreich angewendet worden, wie er in seinem Rapport an die Manufakturkommission berichtet (Loesch 2019, S. 49; Boltz in Keramos 148/1995, S. 23; Weber 2013 II, S. 404). Loesch gibt — anders als Boltz und Weber — das gleiche Datum, jedoch das Jahr 1727 an, was ein Schreibfehler sein muss, da Höroldt, wie Weber weiter schreibt, August dem Starken im Mai 1727 seine Farberfolge am Beispiel von „Camin-Auffsätzen“ persönlich zu dessen großer Freude präsentierte. Außerdem besitzt die mit „27. August 1726“ datierte Kumme (Boltz 1995 Abb. 12 S. 21) im Keramikmuseum Sèvres bereits den seegrünen Fond, was den Erfolg für das Jahr 1726 belegt. Das Seegrün — das in Meissen synonym für Seladon, Türkis und auch Meergrün steht — dieser Kumme (Boltz a.a.O.) tendiert, wie auch Weber feststellt, stärker ins Gelbliche (anstatt ins Blaue), was ebenso auch bei unserem Service der Fall ist. Das zeigt, wie unterschiedlich die Fondfarben, vor allem in der Frühphase, z. T. noch ausgefallen sind.
Höroldts Farbinnovationen wurden den Plänen Augusts des Starken für die Ausstattung des Japanischen Palais gerecht. Darin folgte die Ausgestaltung der Säle im ersten Obergeschoss, wo das kursächsische Porzellan über dem ostasiatischen (Erdgeschoss) ausgestellt werden sollte, einem Farbkonzept, bei dem die Fondporzellane eine prägende Rolle spielten. Die meergrünen Porzellane waren für das Eckkabinett vorgesehen, das der Besucher, nachdem er zuerst die große Tiergalerie durchschritten hatte, gleich als Nächstes betrat (Weber 2014 II, S. 405; Sponsel 1900). Nach dem Tod Augusts des Starken verfolgte sein Sohn August III. das Projekt weiter und erließ am 26.11.1733 eine große Bestellung an die Meissener Manufaktur, die an die 1.300 Porzellane mit seegrünem Fond enthielt (Weber; Loesch a. a. O.).
Datierung:
Das Porzellan des Kofferservices muss ab 1729 entstanden sein, wie die Caduceus-Marke auf den vier Koppchen zeigt (siehe nachfolgende Abb.). Sie ist die früheste Marke, die in Meissen 1722 dokumentarisch belegt zum Einsatz kam. 1729 hat man sie im Rahmen der Hoym/Lemaire-Affäre jedoch reaktiviert, um den Plänen Lemaires entgegenzukommen: Meissener Kakiemon-Porzellane sollten als japanische Arita-Porzellane auf dem Pariser Luxuswarenmarkt zu sehr hohen Preisen verkauft werden.
Die Koppchen stammen aus dieser Zeit, auch wenn das Kofferservice wohl nicht für den Pariser Großkaufmann Lemaire geschaffen wurde. Es ist anzunehmen, dass die Koppchen 1729 gemacht und zur Komplettierung des Services etwas später dem Lager entnommen wurden.
Die Bemalung weist auf Anfang der 1730er Jahre hin, die Zeit also, in der die Meissener Manufaktur — angestoßen von den Bestellungen des Pariser Kaufmanns Lemaire und später durch die große Bestellung Augusts III. für das Japanische Palais — begann, die Anwendung des meergrünen Fonds in Perfektion zu beherrschen.
Das wird auch durch die „Indianischen“ Blumen auf unserem Service bestätigt, die auf eigenständige Weise dem japanischen Kakiemon-Stil entsprechen. Anders als spätere, nach Schablonen gemalte Ausführungen, die in großer Stückzahl gefertigt wurden, ist die Malerei auf unserem Service eine eigenständige Arbeit, die als Geschenk oder höfische Bestellung angefertigt wurde.
Zum Kofferservice
Die Kofferservice erfreuten sich stets höchster Wertschätzung, wofür es klare Gründe gibt:
sie sind sehr selten und komplette Service der Frühzeit stellen ausgesprochene Raritäten dar;
sie sind in der Regel dank des Koffers und seiner maßgeschneiderten Fächer gut erhalten;
die ursprüngliche Einheit Service und Koffer hat nichts von ihrer repräsentativen Pracht verloren, auf die sie in der höfischen Welt des 18. Jahrhunderts von Anfang an angelegt war;
die Service zeichnen sich durch eine besondere malerische Qualität aus, die darauf zurückzuführen ist, dass es sich ausschließlich um königliche Geschenke und Auftragsarbeiten gehandelt hat.
Ein vergleichbares Service im original Koffer mit meergrünem Fond haben wir nicht finden können.
2024 haben wir auf der TEFAF ein Kofferservice mit gelbem Fond und Kauffahrteiszenen im Stil von Christian Friedrich Herold ausgestellt.
Für weiterführende Literatur zu Meissener Reiseservicen im Koffer siehe Langeloh 2019 S. 60–103 Nrn. 1–4.
Literatur
Boltz, Claus: „Eisbären und Polarfüchse / 6 Kästen sächsisches Porzellan.“, In Keramos 148 / 1995
Langeloh, Elfriede: 100 Jahre. Porzellane und Fayencen des 18. Jahrhunderts. 1919–2019., Weinheim 2019
Loesch, Anette: Das Porzellankabinett im Hausmannsturm des Dresdner Residenzschlosses, Dresden 2019
Sponsel, Jean Louis: Kabinettstücke der Meissner Porzellan – Manufaktur von Johann Joachim Kaendler., Leipzig 1900
Weber, Julia: Meißener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern. Stiftung Ernst Schneider in Schloss Lustheim. 2 Bände, München 2013
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