Teller aus dem „späteren“ Earl of Jersey-Service
Meissen 1739/40; Form: „Alter Ausschnitt“; unterglasurblaue Schwertermarke; Pressnummer „16“; Ø 23 cm
Provenienz: Sotheby’s 17.3.1987 Nr. 236, Coverbild
Meissen 1739/40; Form: „Alter Ausschnitt“; unterglasurblaue Schwertermarke; Pressnummer „16“; Ø 23 cm
Provenienz: Sotheby’s 17.3.1987 Nr. 236, Coverbild
Der Teller gehört zu einem Service, das in der Nachfolge des 1735 entstandenen Earl-of-Jersey-Services steht. Dessen phantasievoller Stil und die Darstellungen exotischer Bildwelten wurden maßgeblich von dem Meissener Maler Adam Friedrich von Löwenfinck geprägt. Ralph Wark, der insg. 14 Teile aus dem Service besaß, hat es 1956 in seinem grundlegenden Artikel „Adam Friedrich von Löwenfinck: einer der bedeutendsten deutschen Porzellan- und Fayencemaler des 18. Jahrhunderts.“ (In Keramikfreunde der Schweiz Heft 34) als erster bekannt gemacht.
Da Löwenfinck die Manufaktur bereits 1736 verließ (Pietsch 2014, S. 12–20), kann er an der Herstellung unseres Tellers und des „späteren“ Earl of Jersey-Services, das um 1739/40 entstandenen ist, nicht mehr beteiligt gewesen sein.
Die Datierung wird durch die auf allen bekannten Tellern nachweisbare Pressnummer „16“ bestätigt (s.u.). Die Pressnummern wurden in der Meissener Manufaktur nachweislich im September 1739 eingeführt und ersetzten die zuvor verwendeten, sog. alchimistischen Zeichen (Rückert, in: Keramos 151, 1996, S. 59), anhand derer die Former in der Manufaktur abgerechnet wurden. Die Teller des früheren Earl-of-Jersey-Services tragen hingegen ausnahmslos die bis dahin gebräuchlichen Formerzeichen (zum frühen Earl-of-Jersey-Service siehe Langeloh 2019 S.188–209).
Trotz der engen stilistischen Verwandtschaft beider Service unterscheidet sich der jeweils auf der Fahne aufgemalte Streublumendekor. Dieser wurde mithilfe von Schablonen aufgetragen und bildet ein wesentliches Merkmal für den Service-Zusammenhang.
Welcher Meissener Maler Löwenfincks künstlerisches Erbe mit solch stilistischer Nähe fortführte, ist bislang nicht geklärt. Denkbar wäre eine Beteiligung seines Bruders Christian Wilhelm von Löwenfinck, der bis 1741 in der Meissener Manufaktur tätig war und möglicherweise das von Adam Friedrich entwickelte Genre der Chinesen in „phantastischen Welten“ weiter pflegte. Diesen Hinweis verdanken wir dem Löwenfinck-Kenner Dr. Klaus Lippert, Berlin.
Interessant ist zudem, dass für einige der Teller aus dem „späteren“ Service Stiche von Petrus Schenk d.J. als Vorlage gedient haben (Den Blaauwen 2000 Nr. 204 u. in Keramos 31/1966) — Vorlagen, die auch Löwenfinck gerne verwendete (siehe Pietsch 2014).
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