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Der Teller gehört zu einem Service, das in der Nachfolge des 1735 entstandenen Earl-of-Jersey-Services steht. Dessen phantasievoller Stil und die Darstellungen exotischer Bildwelten wurden maßgeblich von dem Meissener Maler Adam Friedrich von Löwenfinck geprägt. Ralph Wark, der insg. 14 Teile aus dem Service besaß, hat es 1956 in seinem grundlegenden Artikel „Adam Friedrich von Löwenfinck: einer der bedeutendsten deutschen Porzellan- und Fayencemaler des 18. Jahrhunderts.“ (In Keramikfreunde der Schweiz Heft 34) als erster bekannt gemacht.

Da Löwenfinck die Manufaktur bereits 1736 verließ (Pietsch 2014, S. 12–20), kann er an der Herstellung unseres Tellers und des „späteren“ Earl of Jersey-Services, das um 1739/40 entstandenen ist, nicht mehr beteiligt gewesen sein.

Die Datierung wird durch die auf allen bekannten Tellern nachweisbare Pressnummer „16“ bestätigt (s.u.). Die Pressnummern wurden in der Meissener Manufaktur nachweislich im September 1739 eingeführt und ersetzten die zuvor verwendeten, sog. alchimistischen Zeichen (Rückert, in: Keramos 151, 1996, S. 59), anhand derer die Former in der Manufaktur abgerechnet wurden. Die Teller des früheren Earl-of-Jersey-Services tragen hingegen ausnahmslos die bis dahin gebräuchlichen Formerzeichen (zum frühen Earl-of-Jersey-Service siehe Langeloh 2019 S.188–209).

Trotz der engen stilistischen Verwandtschaft beider Service unterscheidet sich der jeweils auf der Fahne aufgemalte Streublumendekor. Dieser wurde mithilfe von Schablonen aufgetragen und bildet ein wesentliches Merkmal für den Service-Zusammenhang.

Welcher Meissener Maler Löwenfincks künstlerisches Erbe mit solch stilistischer Nähe fortführte, ist bislang nicht geklärt. Denkbar wäre eine Beteiligung seines Bruders Christian Wilhelm von Löwenfinck, der bis 1741 in der Meissener Manufaktur tätig war und möglicherweise das von Adam Friedrich entwickelte Genre der Chinesen in „phantastischen Welten“ weiter pflegte. Diesen Hinweis verdanken wir dem Löwenfinck-Kenner Dr. Klaus Lippert, Berlin.

Interessant ist zudem, dass für einige der Teller aus dem „späteren“ Service Stiche von Petrus Schenk d.J. als Vorlage gedient haben (Den Blaauwen 2000 Nr. 204 u. in Keramos 31/1966) — Vorlagen, die auch Löwenfinck gerne verwendete (siehe Pietsch 2014).

Vergleichsstücke

  • Slg. Wark (I Nr. 196) = Wark (II Nr. 213), Ø 23 cm, Pressnummer „16“, nach Vorlagen von Petrus Schenk d.J. siehe auch: Wark in KFS 1953 Abb. 46–48
  • Rijksmusem, Amsterdam (Den Blaauwen Nrn. 204), elf Teller, Ø 23-23,5 cm, alle mit Pressnummer „16“, z.T. nach Vorlagen Petrus Schenk d.J.
  • Slg. Dr. Schneider, Bayerisches Nationalmuseum, Schloss Lustheim (Rückert 1966 Nr. 229), Pressnummer „16“
  • Elfriede Langeloh, 2019 Nr. 35, drei Teller u. Nr. 116, drei Teller (davon zwei ex. Slg. Carabelli, Pietsch 2000 Nrn. 121, 122), alle Pressnummer 16
  • The Warda Stevens Stout Collection. 2 Teller, Kat. Nrn. 126, 128
  • Christie’s 2.6.2015 Nr. 61, „16“, nach Petrus Schenk d.J.
  • Christie’s 17.7.1968, vier Teller, Nrn. 153–156 / Nr. 153 = Sotheby’s New York 6.6.1973 Nr. 36 = Christie’s10.7.2007 Nr. 95 / Nr. 155 gekauft von Vater / Nr. 156 gekauft von Reichert
  • Sotheby’s 17.3.1987 Nr. 235

Literatur

Den Blaauwen, Abraham L.: Meissen Porcelain in the Rijksmuseum., Amsterdam 2000

Den Blaauwen, Abraham L.: „Keramik mit Chinoiserien nach Stichen nach Petrus Schenk Jun.“, In Keramos 31/1966 S. 3 – 18

Nelson,Christina u. Roberts, Letitia: A History of Eighteenth-Century German Porcelain. The Warda Stevens Stout Collection., Memphis / New York 2013

Pietsch, Ulrich: Frühes Meißener Porzellan. Sammlung Carabelli., München 2000

Pietsch, Ulrich: Early Meissen Porcelain: The Wark Collection from the Cummer Museum of Art & Gardens., London 2011

Pietsch, Ulrich: Phantastische Welten. Malerei auf Meissener Porzellan und deutschen Fayencen von Adam Friedrich von Löwenfinck (1714–1754)., Stuttgart 2014

Rückert, Rainer: „Alchimistische Symbolzeichen als Meissener Masse-, Former-, Bossierer- und Drehermarken im vierten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts.“, In Keramos 151 / 1996

Rückert, Rainer: Meissener Porzellan 1710 – 1810., Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum München. München 1966

Wark, Ralph: The Wark Collection: Early Meissen porcelain., Cummer Gallery of Art. Jacksonville 1984

Wark, Ralph: „Adam Friedrich von Löwenfinck: einer der bedeutendsten deutschen Porzellan- und Fayencemaler des 18. Jahrhunderts.“, In Keramikfreunde der Schweiz. Heft 34 / 1956

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