Lovers Group
Model by Franz Anton Bustelli, Neudeck 1755; moulding and decoration, Nymphenburg circa 1760/65
13.7 cm high / 19 cm wide
Provenance: Bustelli collection from Bavarian noble ownership; Ringier Collection (Christie’s, 11 December 2007, no. 137)
Die Gruppe wurde von Franz Anton Bustelli in seinem ersten Arbeitsjahr 1755 für die Manufaktur in Neudeck modelliert und zählt zu seinen frühesten Werken (vgl. Hofmann Bd. III, S. 444, Abb. in Bd. II, Tafel 10). Nach Einschätzung von Katharina Hantschmann, Kuratorin der Porzellansammlung im Bayerischen Nationalmuseum, könnte es sich bei unserer Ausführung (ohne Ruinenhintergrund) um den ursprünglichen Prototyp des später sog. „Liebespaares in der Ruine“ handeln. Für diese Annahme sprechen – neben dem fehlenden Ruinenmotiv – auch die frühe, charakteristische Farbigkeit. Rückert beschreibt die spätere Variante als Darstellung eines Treffens an einem verschwiegenen Ort eines Schlosses. Es lässt sich vermuten, dass unsere Fassung als unmittelbarer Vorläufer dieser Szene von Bustelli konzipiert wurde. Vergleichsstücke zu dieser frühen Variante sind bislang nicht bekannt.
Anders bei der Variante mit Ruine:
- Slg. Rothschild (Christie’s 17.10.1977 Nr. 213)
- Slg. Bäuml, Ziffer Nr. 69, 70
- Slg. Kaumheimer (Christie’s, 8.12.2023, Nr. 59)
- Bayerisches Nationalmuseum (a.a.O.)
- Slg. Oetker (2014, Nr. 37)
- Slg. Rockefeller, Nr. 195
- Slg. Untermyer (Plate 121, Fig. 184 = Ex Sammlung R. von Hirsch)
- Slg. Freiherr von und zu Franckenstein, Schloss Ullstadt
- Slg. Georg Hirth, Nr. 224
Bustelli hat insgesamt nur sechs größere Figurengruppen geschaffen, wozu unser Liebespaar gehört (Hofmann ebd.) – später widmete er sich ausschließlich Einzelfiguren. Laut Hofmann war die Gruppe vermutlich als Mittelpunkt einer Tafeldekoration konzipiert, begleitet von Seitenstücken wie dem Gestörten Schläfer und dem Eifersüchtigen Kavalier.
Rückert (S. 14) hebt die dramatische Inszenierung hervor: Die Szene zeige beispielhaft Bustellis Meisterschaft, den ausdrucksstärksten und spannendsten Moment zu erfassen – in unserem Fall den Augenblick, in dem das Mädchen dem zudringlichen jungen Mann zu widerstehen sucht. „Sein zudringliches, aber doch zartes Werben steht in lebendigem Kontrast zu dem fast hörbaren Aufschrei der Begehrten.“ (Rückert ebd.)