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Pantalone und Columbine

16,7 cm hoch; Schwertermarke auf dem unglasierten Boden
Meissen Modell von Johann Joachim Kaendler, 1738, zeitnahe Ausformung

Beschreibung


Mit dieser Gruppe wählte Kaendler wohl erstmals ein Sujet, dass der italienischen Komödie zuzurechnen ist (Munger 2018 S. 83) und dass zu ihrem Kernrepertoire gehört, kein Bildhauer vor ihm konnte sich dessen berühmen (Celebrating Kaendler S. 39). Der klassischen Figur des Pantalone liegt der Stich Nr. 3 „Habit De Pantalone Ancien“ aus Louis Riccobonis „Histoire Du Theatre Italien“ (Paris Band 2 1731, Archiv Elfriede Langeloh) zugrunde, der nach unserer Ausgabe von Joullain nach Jacques Callot gestochen wurde – und nicht wie die meisten anderen Nummern der Serie, die außer dem Tartaglia (Nr. 14), auf Charles Coypel zurückgehen (Riccoboni S. 316 u. 310; Coypel Werkeverzeichnis S. 437 f .u. S. 59). Darüber hinaus hat sich Kaendler, worauf Meredith Chilton in Harlequin Unmasked (Nr. 92 u. 189 Abb. 305) hingewiesen hat, von dem 1723 bei Christoph Weigel in Nürnberg erschienenen Vorlagenstich „Die Bande Der Italienischen Comoedianten“ leiten lassen, den er mehr ins höfische Ambiente gehoben hat (Hansen S. 98). 

Die Gruppe war sehr beliebt. Kaendler hat zu seiner Zeit drei verschiedene Versionen geschaffen: 

  • 1736: das Urmodell (Slg. Pauls-Eisenbeiss, Kat. London S. 348 f.; Menzhausen S. 124 f. u. S. 56 f.) zudem keine archivalischen Unterlagen überliefert sind. 
  • Schon 1738 war die zugrunde liegende Form infolge der großen Nachfrage so abgenutzt, dass Kaendler sie gründlich überarbeiten musste. Es entstand unser Modell. In seinem Arbeitsbericht vom August 1738 schreibt er: „1. Dem Pantaleon Nebst seinen Bey sich habenden Frauen Zimmer Verneuert und solches Groppgen zum Abformen aufs Neue tüchtig gemacht, Weilen Vorige Forme Nach öfftern gebrauch Wandelbar Worden“. 
    Columbine, nunmehr mit neuer Frisur, keckem Hütchen, Umhang und Schleife, erscheint höfischer und eleganter.  Bei der Haartracht unserer Columbine fällt der legere, dreiteilig gebündelte Zopf auf, den es auch bei den Exemplaren aus den folgenden Sammlungen gibt: Rijkmuseum, Amsterdam (Nr. 316 ex. Slg. Mannheimer); Slg. Arnhold (Kat. Nr. 49, Sotheby’s New York 24.10.2019 Nr. 314); Metroppolitan Museum of Arts (Munger 2018 S. 83 fig. 32, ex. Slg. Untermyer; ex. Slg. Hermine Feist)
    Columbine schaut mit innigem Blick zu Pantalone hinauf, was die sorgfältig staffierten frühen Ausformungen auszeichnet. 
  • Das von Kaendler 1741 abermals erneuerte Modell ist einfacher gehalten (siehe Menzhausen S. 125). 


Vergleichsstücke u.a., nur zu unserem Modell von 1738:

Literatur


Pauls-Eisenbeiss, Erika: German Porcelain of the 18th Century, The Pauls-Eisenbeiss Collection. London 1972

Menzhausen, Ingelore: In Porzellan verzaubert. Die Figuren Johann Joachim Kändlers in Meißen aus der Sammlung Pauls Eisenbeiss. Basel 1993

Chilton, Meredith: Harlequin Unmasked: The Commedia dell'Arte and Porcelain Sculpture. Yale 2001

Lefrançois, Thierry: Charles Coypel : Peintre du roi, 1694-1752. Paris 1994

Hansen, Günther: Formen der Commedia dell' Arte in Deutschland. Emsdetten 1984

Munger, Jeffrey: European Porcelain: In The Metropolitan Museum of Art. New York 2018

Wallwitz, Angela von: Celebrating Kaendler. Meissen porcelain sculpture.. München 2006

Bildergalerie


Pantalone und Columbine
Pantalone und Columbine
Pantalone und Columbine
Pantalone und Columbine
  • Beschreibung

    Mit dieser Gruppe wählte Kaendler wohl erstmals ein Sujet, dass der italienischen Komödie zuzurechnen ist (Munger 2018 S. 83) und dass zu ihrem Kernrepertoire gehört, kein Bildhauer vor ihm konnte sich dessen berühmen (Celebrating Kaendler S. 39). Der klassischen Figur des Pantalone liegt der Stich Nr. 3 „Habit De Pantalone Ancien“ aus Louis Riccobonis „Histoire Du Theatre Italien“ (Paris Band 2 1731, Archiv Elfriede Langeloh) zugrunde, der nach unserer Ausgabe von Joullain nach Jacques Callot gestochen wurde – und nicht wie die meisten anderen Nummern der Serie, die außer dem Tartaglia (Nr. 14), auf Charles Coypel zurückgehen (Riccoboni S. 316 u. 310; Coypel Werkeverzeichnis S. 437 f .u. S. 59). Darüber hinaus hat sich Kaendler, worauf Meredith Chilton in Harlequin Unmasked (Nr. 92 u. 189 Abb. 305) hingewiesen hat, von dem 1723 bei Christoph Weigel in Nürnberg erschienenen Vorlagenstich „Die Bande Der Italienischen Comoedianten“ leiten lassen, den er mehr ins höfische Ambiente gehoben hat (Hansen S. 98). 

    Die Gruppe war sehr beliebt. Kaendler hat zu seiner Zeit drei verschiedene Versionen geschaffen: 

    • 1736: das Urmodell (Slg. Pauls-Eisenbeiss, Kat. London S. 348 f.; Menzhausen S. 124 f. u. S. 56 f.) zudem keine archivalischen Unterlagen überliefert sind. 
    • Schon 1738 war die zugrunde liegende Form infolge der großen Nachfrage so abgenutzt, dass Kaendler sie gründlich überarbeiten musste. Es entstand unser Modell. In seinem Arbeitsbericht vom August 1738 schreibt er: „1. Dem Pantaleon Nebst seinen Bey sich habenden Frauen Zimmer Verneuert und solches Groppgen zum Abformen aufs Neue tüchtig gemacht, Weilen Vorige Forme Nach öfftern gebrauch Wandelbar Worden“. 
      Columbine, nunmehr mit neuer Frisur, keckem Hütchen, Umhang und Schleife, erscheint höfischer und eleganter.  Bei der Haartracht unserer Columbine fällt der legere, dreiteilig gebündelte Zopf auf, den es auch bei den Exemplaren aus den folgenden Sammlungen gibt: Rijkmuseum, Amsterdam (Nr. 316 ex. Slg. Mannheimer); Slg. Arnhold (Kat. Nr. 49, Sotheby’s New York 24.10.2019 Nr. 314); Metroppolitan Museum of Arts (Munger 2018 S. 83 fig. 32, ex. Slg. Untermyer; ex. Slg. Hermine Feist)
      Columbine schaut mit innigem Blick zu Pantalone hinauf, was die sorgfältig staffierten frühen Ausformungen auszeichnet. 
    • Das von Kaendler 1741 abermals erneuerte Modell ist einfacher gehalten (siehe Menzhausen S. 125). 


    Vergleichsstücke u.a., nur zu unserem Modell von 1738:

  • Literatur

    Pauls-Eisenbeiss, Erika: German Porcelain of the 18th Century, The Pauls-Eisenbeiss Collection. London 1972

    Menzhausen, Ingelore: In Porzellan verzaubert. Die Figuren Johann Joachim Kändlers in Meißen aus der Sammlung Pauls Eisenbeiss. Basel 1993

    Chilton, Meredith: Harlequin Unmasked: The Commedia dell'Arte and Porcelain Sculpture. Yale 2001

    Lefrançois, Thierry: Charles Coypel : Peintre du roi, 1694-1752. Paris 1994

    Hansen, Günther: Formen der Commedia dell' Arte in Deutschland. Emsdetten 1984

    Munger, Jeffrey: European Porcelain: In The Metropolitan Museum of Art. New York 2018

    Wallwitz, Angela von: Celebrating Kaendler. Meissen porcelain sculpture.. München 2006

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