Hofnarr Fröhlich
Modell von Johann Joachim Kaendler (Modellnummer 134), Meißen, 1740
Schwache Schwertermarke auf dem Bisquitboden; Höhe 24,5 cm; datiert mit „1740 J F“.
Provenienz: Sammlung Robert G. Vater.
Modell von Johann Joachim Kaendler (Modellnummer 134), Meißen, 1740
Schwache Schwertermarke auf dem Bisquitboden; Höhe 24,5 cm; datiert mit „1740 J F“.
Provenienz: Sammlung Robert G. Vater.
Der Hofnarr Fröhlich zählt zu den frühesten kleinplastischen Figuren Meissens. Dank den intensiven Studien Rainer Rückerts ist sie zudem eine der am besten dokumentierten Porzellane. Das Urmodell geht auf das Jahr 1732 / 33 zurück; ihm lag der 1729 datierte Stich von Christian Friedrich Boetius zugrunde (Rückert 1998 Abb. 55). Er zeigt in Habitus, Positur und Kleidung – von der fehlenden Portraitähnlichkeit abgesehen – den Hoftaschenspieler Joseph Fröhlich, soweit wir ihn aus Meissen kennen.
Rückert lässt die Frage der Urheberschaft der ersten Fröhlich-Figur offen, neigt aber zu Kirchner und nicht zu Kaendler. Diese frühe Figur war Bestandteil der Turmzimmerausstattung im Dresdner Schloss, zählte also zum Kern der königlichen Sammlungen August des Starken.
Kaendler, der offensichtlich mit der alten Version (Rückert 1998 Abb. 7 u. Berling 1900 T. 3) nicht zufrieden war, hat später im April 1737 den Kopf des Fröhlich nunmehr portraitgerecht neu geschaffen. Der Modellmeister weilte vom 30.03. bis zum 15.04.1737 in Dresden, um das große Glockenspiel im Japanischen Palais zu montieren. Bei dieser Gelegenheit hat der den unweit am rechtsseitigen Brückenkopf auf der Dresdener Neustadt wohnenden Hoftaschenspieler besucht und ihn nach dem Leben portraitiert.
Kaendler hält das in seinem Arbeitsbericht vom April 1737 wie immer präzise fest (Rückert 1998 S. 35 Fn. 26; Walcha 1966 S. 36): „Dem so genannten Joseph sein Völlig Gesichte Wie er sich itzo Natürlich befindet nach der Ähnligkeit poussieret, mit seinem Hut Wie er ihn träget mit einem großen Plumenpusch, und hat am Halsz einen von Spietzen sauber gefertigten Kragen“.
Die Figur des Fröhlich war außerordentlich beliebt, sie ist meistens auf dem Hosenlatz datiert und monogrammiert. Die nachgewiesenen Modelle reichen von 1736 bis 1752 (Fröhlich starb 1757) (Rückert a.a.O.). Aus dem Jahr 1740 sind einschließlich des unsrigen 10 Exemplare (Auflistung s.u.) bekannt – durchweg in großen Sammlungen: Pauls, von Pannwitz, Zoubaloff, Maurice Kann, Kramarsky, Porzellansammlung im Zwinger – wobei jene aus den Sammlungen Pauls, Zoubaloff und Dresdener Zwinger unserem am nächsten stehen. Das hängt mit der offensichtlichen Modefarbe des Jahres 1740 zusammen – der pastellartigen Lachsfarbe –, die den Modellen eigen und selten ist. Die Bezeichnung dieser delikaten Farbe ist nicht einheitlich, weil es leider bis heute in Meissen keine offizielle Farbennomenklatur gibt. Wallwitz sieht in ihr zurecht ein weiteres Beispiel für die neue Farbigkeit des Rokoko (Wallwitz 2006 S. 61).
Vergleichsstücke: